Versicherungsvertrieb: Karriere mit Sinn und Perspektive
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Die gebürtige Pongauerin Stefanie Hofer, 41, startete als Jugendliche ihre Karriere in der Finanzwirtschaft, mit 19 Jahren wechselte sie zu UNIQA. Seit damals ist sie dem Unternehmen treu geblieben – seit Jänner 2026 nun als Generalagentin in Salzburg tätig. Im Gespräch erzählt Stefanie, welche Stationen ihren Weg geprägt haben, was Erfolg für sie bedeutet, wieso sie Selbständigkeit immer schon gereizt hat und welchen Rat sie für junge Frauen hat, die in den Vertrieb wechseln wollen.
Stefanie: Ich habe in meiner Jugend Leistungssport betrieben, den ich nach einem schweren Unfall leider aufgeben musste. Danach bin ich über eine Freundin in die Finanzbranche hineingerutscht, hatte erstmals intensiven Kontakt mit Versicherungen und habe begonnen, nebenberuflich in dem Bereich zu arbeiten, aber bald gemerkt, dass meine Philosophie – Menschen beim Sparen und Absichern helfen – nicht zum starken Vertriebsfokus mit Hauptaugenmerk Verkauf von Fondsgebundenen Lebensversicherungen der damaligen Firma passte. Ich habe mich eher in der Beratung gesehen und hatte immer schon eine Leidenschaft für Zahlen, Excel und Gegenüberstellungen. Über eine Freundin lernte ich dann einen Berater der UNIQA kennen und wechselte mit 19 Jahren dorthin.
Stefanie: Der Aufbau meines eigenen Kundenstocks war herausfordernd, weil ich in Salzburg Stadt und nicht mehr in meiner Heimat mit meinem Netzwerk war. Mein Mann war ebenfalls in der Finanzbranche, daher konnte ich auch keine Kontakte über ihn nutzen. Ich habe mich durchgekämpft, drei Jahre angestellt gearbeitet, danach hat sich eine Gruppe gebildet, die eine Agentur in Obertrum gründete. Dort war ich von Anfang an dabei – von der Standortsuche bis zur Büroeinrichtung – und war von diesem Zeitpunkt selbständig bis 2018 als Partneragentin tätig. Der nächste Schritt wäre Generalagentin gewesen, aber der damalige Standortinhaber wollte das nicht. Also wechselte ich zur Generalagentur Kaindl in Seekirchen und wurde dort Generalagentin.
Stefanie: Wir sind eine Gruppe an Kolleginnen und Kollegen, die dafür offen waren. In Hallwang, nahe zu meinem Wohnort, wurde ein ehemaliges UNIQA Büro frei und die Vermieterin ist auf uns zugekommen. Daraufhin haben wir beschlossen, unsere eigene Generalagentur zu gründen.
Stefanie: Ja, das kenne ich von meinem Beginn in der Finanzbranche. Ich habe dort die Ausbildung zur Vermögensberaterin abgeschlossen und mich gleich selbstständig gemacht. Ich hatte bis auf die Ausbildung bei UNIQA im Außendienst nie ein klassisches Angestelltenverhältnis. Ich kann gut damit umgehen, dass Leistung zählt. Das kommt sicher aus dem Sport. Bei uns geht es nicht um Stunden, sondern um Ergebnisse.
Stefanie: Ich hatte keinen klassischen Mentor, aber einen Geschäftspartner, mit dem ich seit meiner Selbstständigkeit zusammenarbeite. Wir haben uns immer gegenseitig den Rücken gestärkt – jeder hatte mal Tiefen, und der andere hat zugehört. Das war sicher ein entscheidender Faktor. Ident dem privaten Bereich liegt die Qualität des Lebens in der Qualität der persönlichen Beziehungen. In der Firma sind das die Kolleginnen und Kollegen sowie Kundinnen und Kunden. Und wenn es gelingt, in diese Beziehungen eine hohe Qualität zu bringen, macht die Arbeit sehr viel Spaß und der Erfolg kommt automatisch.
Ansonsten waren es eher motivierende Sprüche, wie etwa ‚Difficult roads often lead to beautiful destinations.‘ Ich finde, da steckt viel Wahrheit drin.
Stefanie Hofer
Stefanie: Frauen haben oft einen anderen Blickwinkel. Ich freue mich, wenn Frauen in Führungspositionen sind. Von Frau zu Frau lassen sich manche Dinge anders besprechen. Ich sehe den Sinn nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander. Netzwerke sind wichtig. In der Kundenbetreuung ist es oft ein Vorteil, weil Frauen in Familien häufig die Entscheidungsträgerinnen für Sicherheit sind. Generell müssen wir Frauen uns stärker beweisen – durch Ergebnisse und Fachwissen. Wer kompetent berät und einen hohen Anspruch an sich selbst hat, wird selbstbewusster. Das macht stark.
Stefanie: Freiheit heißt für mich: flexible Zeitgestaltung und eigene Ideen umsetzen. Wenn ich konsequent arbeite, zählt das Ergebnis, nicht die Stunden. Ich vermeide unproduktive Phasen. Lieber mache ich Sport oder verbringe Zeit mit meiner Familie. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Verantwortung in meinem Bereich ist groß. Fehler passieren überall, aber als Selbstständige muss ich selbst dafür geradestehen. Das ist kein Laster, sondern Teil des Deals: Freiheit, kreativ zu sein, Dinge auszuprobieren, und auch die Konsequenzen zu tragen.
Stefanie: Ja, am Anfang war Erfolg, den ganzen Tag arbeiten zu können, viele Aufträge zu haben. Heute bedeutet Erfolg für mich Optimierung: gutes Verhältnis von Input und Output. Es geht darum, Termine mit schlechtem Gefühl und schlechten Ergebnissen zu minimieren und sich auf die wertvollen zu konzentrieren. Das ist Persönlichkeitsentwicklung: ein Gespür dafür zu bekommen. Im Versicherungsvertrieb geht es darum, Menschen bestmöglich durch sämtliche Herausforderungen des Lebens zu begleiten und umfassend abzusichern. Was gibt dir in deiner Arbeit das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun? Stefanie: Menschen bedarfsorientiert zu beraten – gerade in der Lebensphase zwischen 30 und 50, wenn Familien gegründet und Häuser gebaut werden. Es ist wichtig, auf Risiken hinzuweisen, an die man selbst nicht denkt. Die größte Bestätigung ist ein ehrliches ‚Danke‘. Ein Beispiel dazu: Voriges Jahr habe ich eine Kundin beraten, eine Krankenversicherung abzuschließen. Wenige Monate später erkrankte sie schwer und die Erleichterung war spürbar. Solche Momente zeigen, dass unsere Arbeit Sinn hat.
Frauen haben oft einen anderen Blickwinkel. Ich freue mich, wenn Frauen in Führungspositionen sind. Von Frau zu Frau lassen sich manche Dinge anders besprechen. Ich sehe den Sinn nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander.
Stefanie: Durchhalten! Wenn man Leidenschaft für den Beruf hat, Spaß an Zahlen und rechtlichen Themen und den Kundenkontakt mag, darf man sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Ich mache das seit 20 Jahren. Anfangs war es schwer, Kundinnen und Kunden zu gewinnen, heute kommen sie zu mir. Erfahrung und Wissen machen den Unterschied.Wichtig ist: Immer weiterbilden, am Ball bleiben, Digitalisierung und neue Tarife verstehen. Es ist kein Spaziergang, aber mit einem guten Netzwerk und ehrlichen Partnerinnen und Partnern schafft man das. Ein großer Vorteil ist auch die Flexibilität. Ich habe meinen Sohn vor zehn Jahren bekommen und konnte trotzdem weiterarbeiten.
Stefanie: Definitiv der Leistungssport in jungen Jahren, dieser hat meine Persönlichkeit stark geprägt. Und der Einstieg bei UNIQA mit 19: Plötzlich Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, war ein großer Schritt. Damals war das Ziel, den ganzen Tag Arbeit zu haben. Kundenakquise war schwierig, wir haben noch Kaltakquise über Telefonbuch betrieben. Heute wäre das datenschutzrechtlich unmöglich. Es gab damals viele Höhen und Tiefen. Ein Landesdirektor bei meiner ersten Firma sagte mir einmal: ‚Wechseln bringt nichts. Du musst durchhalten. Es wird immer Höhen und Tiefen geben.‘ Daran denke ich oft zurück, denn er hatte recht. Gerade als junge Frau mit 20 Jahren wurde ich nicht immer ernst genommen. Es gab Momente, wo ich alles hinschmeißen wollte. Mein Mann hat mich oft aufgebaut und gesagt: ‚Augen zu und durch.‘ Das Geheimnis ist also Durchhalten – und, dass einem der Job Spaß macht.
Stefanie: Ich würde nicht viel verändern. Es hat zwar 20 Jahre gedauert, bis ich dort bin, wo ich von Anfang an hinwollte, aber ich hatte das Ziel immer vor Augen. Wahrscheinlich war ich mit 20 deutlich ungeduldiger als heute.Aus heutiger Sicht würde ich mir für mein jüngeres Ich mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen wünschen. Wenn man konsequent am Ball bleibt, funktioniert es. Das sage ich auch meinem Sohn, der Fußball spielt: Wenn du konsequent trainierst, kommt der Erfolg.
Stefanie: Ehrlichkeit und Zuversicht. Wenn man nicht nur aus Eigeninteresse handelt, sondern fair und wertschätzend agiert, ist das langfristig der erfolgreichere Weg – auch wenn er länger dauert.
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