
„Regional sein heißt, die Menschen in ihrer Lebensrealität abholen“
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Prävention ist alles, Staat und Privat bedingen einander und der internationale Markt wird wichtiger: Unser neuer KV-Leiter Hans Aubauer, Juri Reich von Strategy & Transformation und VitalCoach Sarah Pointner über den Megatrend Gesundheit und Eigenverantwortung als Schlüssel zu einer persönlich und wirtschaftlich gesunden Zukunft.
Hans: Es gibt nicht das eine Modell in dem Sinn, dass wir uns an anderen Anbieterinnen und Anbietern orientieren oder kopieren. Mit der Kombination aus Versicherungsprodukten und Gesundheitsversorgung (von digital bis Spitalsbett) schaffen wir ein innovatives Ökosystem zur Absicherung und Versorgung unserer Kundinnen und Kunden – ganz im Sinn von ‘gemeinsam besser leben’. Ein zentrales Ziel dabei ist die Stärkung der Prävention.
Juri: Wir haben, jetzt für Österreich gesprochen, eine hohe Lebenserwartung, aber wir sind lange krank. Skandinavien verzeichnet mehr gesunde Lebensjahre und ist insofern ein Beispiel. Prävention ist sowohl öffentlich als auch privat entscheidend. Wir geben relativ viel Geld für stationäre Pflege aus und müssen die Eigenverantwortung der Menschen fördern.
Wenn man die Menschen fragt, was ihnen am wichtigsten ist, kommt als eine der Antworten immer Gesundheit. Nicht alles ändert sich. Ich glaube, dass die Bedeutung von Gesundheit noch zunehmen wird.
Hans: Gesundheit ist ein langfristiges System und die Herausforderung ist es, Menschen zur Prävention zu motivieren. Hier ist es mit der Unterschrift unter einer Versicherungspolizze nicht getan. Deswegen schaffen UNIQA und Mavie ein Gesundheitsökosystem mit vielen Anreizen und Einstiegspunkten.
Sarah: Viele Kundinnen und Kunden im Coaching haben Hemmungen – sie scheuen die Anstrengung und tun sich schwer damit, am Ball zu bleiben. Wir sind noch nicht so weit wie in den USA, wo Personal Trainer ein hohes Ansehen genießen und ihre Unterstützung als selbstverständlich gilt. Daher müssen die Angebote niedrigschwellig und in der breiten Masse verankert sein, damit wir die Menschen gut erreichen können. Mein Job als Coach ist es, gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten realistische und nachhaltige Ziele zu entwickeln. So helfe ich ihnen, wieder mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu übernehmen.
Hans: Mit dem Interesse an privat finanzierten Angeboten setzen unsere Kundinnen und Kunden bereits eigenverantwortliche Schritte. Wir stehen aber sehr unterschiedlichen Kundentypen gegenüber: Von Menschen, die ihre Gesundheit z. B. über Bluttests selbst managen wollen, über Personen, die lieber von Coaches unterstützt werden, bis hin zu jenen Kundinnen und Kunden, die einen Aufenthalt in einem unserer VitalPlan Hotels genießen.
Juri: Wir brauchen immer Angebote für alle Reifegrade, der Heim-Bluttest ist etwas für die Fortgeschrittenen. Information ist auch zweischneidig, wenn wir auf jede Kundenerwartung eingehen, laufen wir Gefahr, jeder auch unwissenschaftlichen Strömungen aufzusitzen. Das bleibt ein Balanceakt.
Hans: Die Menschen leben länger, die Medizin wird besser, wir erleben daher mehr Krankheiten und wir identifizieren diese besser. Das gibt uns die Chance an der Vermehrung der gesunden Lebensjahre zu arbeiten.
Sarah: Heute wird mehr nach individuellen Lösungen gefragt als, sagen wir, vor 50 Jahren. Jemand schläft schlecht, informiert sich – Instagram ist der neue Arzt – erstellt eigenständig eine Diagnose und erwartet sich eine ganzheitliche Analyse. Das öffentliche System deckt das nicht ab, dort fühlen die Menschen sich abgefertigt.
Gesundheit ist ein langfristiges System und die Herausforderung ist es, Menschen zur Prävention zu motivieren.
Sarah: Definitiv. Wir Coaches werden zunehmend zu Begleitpersonen – eine Rolle, die Fachwissen, gutes Argumentieren und ein hohes Maß an Empathie erfordert, statt autoritärem Auftreten. Auch die Rolle der Ärztinnen und Ärzte verändert sich in diesem Prozess.
Hans: Wir haben heute ein interprofessionelles Rollenbild, wo viele Berufsgruppen zur optimalen Versorgung zusammenarbeiten. Teamarbeit ist gefragt, Teilzeit oft ein Thema, die Forderungen, aber auch die Anforderungen sind deutlich höher geworden.
Hans: Telemedizin ist ein strategisch wichtiges Thema. Als Marktführer in der Krankenversicherung haben wir eine innovative Antwort. In Österreich ist die Nutzung noch gering, aber sie wächst stetig. In anderen Ländern wird Telemedizin bereits intensiv genutzt, in Polen beispielsweise verzeichnen wir hunderttausende Behandlungen im Jahr.
Juri: Das hat auch damit zu tun, wie gut das Gesundheitssystem vorher war. Polen hat eine geringere Arztdichte und damit längere Wartezeiten als Österreich. Dort hat Telemedizin einen großen Vorteil gebracht. Telemedizin ist, egal wo, eine Qualitätssteigerungsmaßnahme und ein Effizienzgewinn, ein Win-Win, den Kundinnen und Kunden muss das noch klar oder klarer werden.
Juri: Aus den Daten könnte man lernen und verstehen und damit könnte man die Patientinnen und Patienten durchs System führen.Hans: Daten bieten große Chancen, um Patientinnen und Patienten besser zu begleiten aber insbesondere auch, um neue Behandlungen zu entwickeln oder geeignete präventive Schritte zu setzen. Dazu müssen wir aber Daten einheitlicher erfassen, Systemgrenzen überwinden und den Zugriff ermöglichen. In Dänemark ist es beispielsweise selbstverständlich, dass Behandlungsdaten anonymisiert in einem nationalen Datenpool gesammelt werden und der Forschung zur Verfügung stehen.
Hans: Ich bin sicher, dass der Staat auch in zehn, 20, 30 Jahren den Menschen eine Basisversorgung bieten wird. Aber die Möglichkeiten werden rasant zunehmen und auch die Bedürfnisse der Menschen werden steigen – hier liefert eine private Versicherung die richtigen Antworten.
Juri: Aber 100 Prozent Vollkasko beim Staat wird nicht gehen. Den Heim-Bluttest wird der Staat nicht zahlen, das ist unsere Leistung. Von der der Staat dann auch etwas hat, Stichwort Prävention. Risiko-Incentivierung wird wichtiger sein, und wieder die Eigenverantwortung.
Hans: Unser Vorteil ist, wir sind rasch, effizient, dynamisch, kundenorientiert. Wir werden unseren Wertbeitrag liefern, auch volkswirtschaftlich, betriebswirtschaftlich natürlich sowieso. Gerade im Gesundheitsbereich können wirtschaftliche Zugänge viel bewegen. Lassen wir doch auch hier Marktwirtschaft zu.
Heute wird mehr nach individuellen Lösungen gefragt als, sagen wir, vor 50 Jahren.
Hans: Die Systeme sind heterogen, aber viele unserer Angebote passen ausgezeichnet. Den Heim-Bluttest von Mavie kann ich überall anbieten. Bei der Telemedizin ist es regulatorisch schon etwas komplizierter. Aber insgesamt können wir sagen, dass in Zentraleuropa der Wohlstand steigt. Menschen nehmen Privatleistungen in Anspruch, ohne privat versichert zu sein. Darin steckt großes Potenzial für uns.
Juri: Wenn man die Menschen fragt, was ihnen am wichtigsten ist, kommt als eine der Antworten immer Gesundheit. Nicht alles ändert sich. Ich glaube, dass die Bedeutung von Gesundheit noch zunehmen wird. In China hat sich vor 30 Jahren noch kaum jemand für die Luftverschmutzung interessiert. Jetzt ist das anders. Mit wachsendem Wohlstand wird Gesundheit wichtiger.
Sarah: Ich glaube auch, dass der Trend anhält und sich eher noch verstärkt. Wenn eine Person heute unspezifische Rückenschmerzen hat, dann findet sie sich nicht mehr damit ab, dass nur das Symptom behandelt wird. Sie sucht nach der Ursache und nach spezifischen Lösungen und erkennt zunehmend, was sie selbst in der Hand hat.
Hans Aubauer war Geschäftsführer bei Accenture in Wien, bevor ihn sein Weg in die Versicherungsbranche führte. Er war Generaldirektor zuerst der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA), dann der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS. Seit Herbst 2024 leitet er bei UNIQA die Krankenversicherung sowie die UNIQA Health Services GmbH und ist Mitglied im Managing Board der Mavie Holding.
UNIQA VitalCoach Sarah Pointner ist Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Sportpsychologie / Trainingstherapie. Sie hat Ausbildungen zum systemischen Coach und NLP-Practitioner absolviert und ist nebenberuflich als Trainingstherapeutin in einer Klinik für psychische Erkrankungen tätig. 2022 hat sie bei der Austrian Natural Bodybuilding & Fitness Federation (ANBF) den 3. Platz belegt.
Juri Reich leitet die Abteilung Inhouse Consulting im Bereich Strategy und Transformation. Wie alle Mitglieder seines Teams hat er seine beruflichen Wurzeln in der Managementberatung. Juris Arbeit fokussiert sich auf unsere gruppenweite Strategie sowie auf zahlreiche weitere, strategisch relevante Projekte in verschiedenen Unternehmensbereichen.
Fotocredits: Zsolt Marton, Thomas Zinner, privat
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